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MZ Beitrag vom 02.12.2006

Pflegedienst kümmert sich ausschließlich um Kinder - Schicksale hinterlassen Spuren

Frosch mit dem Sani-Kasten

VON SYLVIA POMMERT

Halle/MZ. An den Wänden hängen große Kinderfotos. Margrit Ilse hat sie selbst gemacht. Ein dickes Album auf dem Tisch zeigt weitere Schnappschüsse. Manche Steppkes sind noch winzig. Manche schon im Schulalter. Oft ist ihre Entwicklung in kleinen Bildserien festgehalten. Manchmal aber brechen die Geschichten jäh ab. "Es ist sehr schlimm, wenn wir ein Kind verloren haben", sagt Margrit Ilse dann. "Sie haben noch gar nicht richtig gelebt."

Hilfe von den Kassen

Seit genau zehn Jahren betreibt die Frau gemeinsam mit ihrer Kollegin Franziska Hecht einen Pflegedienst, der sich ausschließlich auf die Betreuung von Kindern spezialisiert hat. Damals, Mitte der 90er, hatten die auf der Intensivstation in Kröllwitz arbeitende Fachschwester und die Kinderkrankenschwester beschlossen, sich selbständig zu machen. Pflegedienste gab es noch kaum. Ein provisorisches Büro in der Wohnung von Franziska Hecht musste vorerst reichen. Beide begannen Kinder zu versorgen, die nach einem Krankenhausaufenthalt zu Hause weitere Hilfe benötigten.

Bald stieg der Bedarf. "Viele Eltern möchten ihre Kinder so schnell wie möglich aus dem Krankenhaus nehmen und sich zu Hause um sie kümmern", weiß Margrit Ilse.

"In manchen Familien gehören wir dazu."

Margrit Ilse

Pflegedienst-Chefin

Und die Krankenkassen unterstützten das aus Kostengründen. Doch es bedeute oft einen enormen Aufwand an Zeit, Kraft und Nerven, um zum Beispiel dauerhaft kranke oder behinderte Kinder rund um die Uhr zu betreuen. Die Pflegedienstleiterin denkt an Frühchen, die ihre Defizite nie ausgleichen können, an kleine Krebspatienten, an Kinder, die rund um die Uhr beatmet werden müssen. Oft ändere sich das Leben der Familien vollständig, sei ganz auf das hilfsbedürftige Kind fixiert. Und dennoch sei die Belastung für die Eltern oft nicht allein zu schaffen, weiß Margrit Ilse. Der Pflegebedarf werde vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) festgelegt. Danach richte sich dann das Hilfsangebot des Kinderpflegedienstes. In manchen Familien sind wir 24 Stunden präsent und gehören im Grunde schon dazu." Den Eltern werde so ein Stück Normalität erhalten, manche könnten sogar weiter arbeiten.

37 Mitarbeiter zählt "Med Concret" inzwischen. Die Autos mit Frosch und Sani-Kasten als Logo fahren überall in Halle und Umgebung zu den kleinen Patienten. Im neuen Domizil in der Großen Steinstraße ist vor vier Jahren eine Bettenstation hinzugekommen. Hier werden Kinder und Erwachsene betreut, die von den Ärzten im Hause ambulant operiert wurden, aber auch jene, deren Eltern sich eine kurze Auszeit genommen haben. Das Angebot reiche dennoch bei weitem nicht, sagt Margrit Ilse. Als nach ihren Angaben einziger spezialisierter Kinderpflegedienst in Sachsen-Anhalt bekomme man die Defizite besonders zu spüren: "Immer dann, wenn Mütter und Väter Hände ringend um unsere Hilfe bitten, wir aber an unsere personellen und zeitlichen Grenzen stoßen."

5 000 Patienten

Gut 5 000 kleinen Patienten haben Margrit Ilse, Franziska Hecht und ihre Mitstreiter im Laufe der Jahre schon geholfen. Manche mussten sie dennoch loslassen. Wie den Zehnjährigen, der an Blutkrebs erkrankte und fünf Jahre lang kämpfte. "Er war ein Fan von ´Herr der Ringe´. Ich hatte für uns beide Premierenkarten besorgt. Aber an dem Tag fiel er ins Koma und starb", so Margrit Ilse ...

 

 



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